Manhattan in schwarz und weiss

umbertofedericoAnaloge FotografieHinterlasse einen Kommentar


Manhattan in schwarz und weiss

New York City ist toll wenn die Sonne scheint und es warm ist – bei Nieselregen und kühlen 9 Grad hingegen, mag sich mancher scheuen, einen Fuß vor die Tür zu setzen. Frei nach dem Motto “Es gibt kein schlechtes Wetter – nur die falsche Kleidung.” habe ich mich vorgestern mit einer Rolle Ilford Schwarz-Weiß-Film, einem Schirm und gut eingepackt nach Manhattan begeben, um dort ein wenig die Morgenstimmung einzufangen. Manhattan in schwarz-weiß ist an sich ein ziemlich klassisches Unterfangen – wer kennt sie nicht, die Aufnahme aus den 50ern und 60ern die alle Welt gesehen hat. Das ganze bei Nieselregen und Dienstag morgens um 8 hat nochmal einen ganz eigenen – wunderbaren – Charakter.

Meine frühe Route führt mich von Newport in New Jersey mit dem Path Train unter dem Hudson hindurch nach Manhattan – genauer: Haltestelle Christopher Street. Durch die kleinen netten Seitenstraßen von Greenwich geht es Richtung Uptown während die Stadt langsam in die Gänge kommt…die Müllabfuhr ist unterwegs, Menschen hasten in die Büros oder zum Starbucks um die Ecke, die Bauarbeiter beginnen ihr Tageswerk. Es ist wenig los auf den Straßen und alles ist irgendwie verschlafen und träge – mich eingeschlossen.

Irgendwo zwischen der 8. und der 16. Straße entdecke ich das Terremoto Café – einen kleinen Coffeeshop in Chelsea – und genehmige mir meinen ersten Wachmacher…Kolumbianischer Kaffee und ein leckeres Croissant auf die Hand.

Die Suche nach einem Schuhladen in dem ich vor 8 Jahren einmal war, verläuft ergebnislos…also muss ein Alternativplan her. An der Westside gehe ich zurück zur 13. Straße und steige hoch zur Highline – ein Park der auf einer ehemaligen Bahntrasse errichtet wurde. Hier ist nicht viel los und man hat einen tollen Blick aufs Meatpacking District und das morgendliche Treiben in den Straßen. Bis auf ein paar Jogger, ist hier nicht viel Verkehr. Genau richtig – um ein paar Aufnahmen zu schießen.

Analoge Fotografie ist anders – zeitintensiver, langsamer, bedächtiger. Mit nur 36 Aufnahmen auf meinem Film, überlege ich zweimal bevor ich abdrücke. Der Fokus muss stimmen – kein AF System hilft mir dabei. Auch die Kameraeinstellungen werden nicht vorgegeben – das ist klassisches Handwerk. Noch dazu kann ich nach dem Auslösen nicht kontrollieren, ob ich alles richtig gemacht habe. Und genau das fasziniert mich an dieser Art der Fotografie – das meditative daran.

Die Highline

Die Highline zieht sich entlang der Westside bis zur 34ten Straße – vorbei an Baustellen, Lusuxapartments und eher runtergekommenen Wohnblocks. Das Leben dort muss wundervoll sein – kein Straßenlärm, der Blick auf den Park und durch die Häuserschluchten sieht man dann und wann den Hudson aufblitzen und die Boote fahren. Im Sommer ist das ein traumhafter Ort in der sonst so hektischen und lauten Metropole. Heute ist es irgendwie anders – auch toll, ohne Frage – aber weniger “schön” als vielmehr stimmungsschwer und somit viel entspannender. Das diffuse Licht taucht die Straßen in einen Schleier – in der Ferne sieht man das Empire State Building im Nebel verschwinden während ich langsam weiter Richtung Uptown spaziere.

Die Fenster der angrenzenden Gebäude geben nur selten preis, was sich dahinter verbirgt und so ertappe ich mich dabei, mir vorzustellen, wie das Leben hier so ist. Die kühlen Fassaden mit den vertrauten Feuerleitern stehen im Gegensatz zu den warm erleuchteten Fenstern, hinter denen möglicherweise jemand gerade seinen Tag mit einem Kaffee beginnt – im Warmen während ich dort draußen durch den Regen stapfe.

Meine Bildnummernanzeige an der Kamera ist defekt – daher weiß ich nicht, wieviele Aufnahmen ich bereits geschossen habe und wieviele mir noch bleiben. Jedes Bild könnte das letzte sein – also bin ich noch bedächtiger bei der Wahl der Momente.

Bei der 34sten Straße angekommen, endet die Highline ebenerdig und nach zwei Blocks gen Osten, stehe ich auf der 9th Avenue und muss mich noch einmal entscheiden, in welche Richtung ich gehe. Nun ja – ganz so schwer war die Entscheidung nicht – liegt doch der Kamera- und Fotomegastore B&H gleich auf der anderen Straßenseite. Es ist 9.30 und dieses Paradies – das Mekkha für Fotografen – hat bereits seit einer halben Stunde geöffnet. Also nichts wie rein ins Warme und shoppen! Auch wenn man eigentlich nichts braucht – B&H hat das Talent, dich trotzdem glücklich zu machen…mit irgendetwas kleinem was du trotzdem mitnehmen könntest. Also kaufe ich 6 Rollen Mittelformatfilm. Meine Rolleiflex kommt bald aus dem Service und will gefüttert werden.

Nach einem kurzen aber befriedigenden Einkaufsbummel, geht es wieder raus ins graue Manhattan – das Ziel: Heimathotel. Der Regen hat zugenommen und nun ist es eher ein Spießrutenlauf von Vordach zu Vordach um nicht komplett durchweicht nach New Jersey zu kommen. Der Pathtrainbahnhof ist nur einen Block weit entfernt – vorbei am Madison Square Garden und der Pennstation. Der Film ist mittlerweile auch voll und so freue ich mich auf die Entwicklung im heimischen Bad.

Keine 16 Stunden später schlägt mir die 4 Grad kalte und nasse Münchner Flughafenluft ins Gesicht und ich falle erschöpft ins Bett.

45 Minuten Filmentwicklung, 60 Minuten Trocknung, 5 Schnitte und 36 Makroaufnahmen später, darf der Film auf meinem Rechner in die Nachbearbeitung … und das Ergebnis seht ihr hier in diesem Artikel. Manhattan in schwarz und weiß.

Humberto & Umberto

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